Züchterbesuch in Österreich

Besuch bei Rassegeflügelzüchter Christoph Spiegel

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen. So geschehen im Urlaub in Österreich. Denn auch im Urlaub lässt das Hobby den eingefleischten Rassegeflügelzüchter nicht los. Und so schaue ich immer vorher, ob Züchter in der Urlaubsregion wohnen, die man besuchen kann. In diesem Jahr fragte ich meinen Zuchtfreund Siggi Feil, ob er nicht jemanden kennt, den ich besuchen könnte. So entstand der Kontakt zu Christoph Spiegel aus Dornbirn/Vorarlberg. Nach ein paar Nachrichten war ein Termin gefunden.

An einem Samstagnachmittag war es dann soweit. Ich wusste, er züchtet Brahma und deren Zwerge. Aber was ich dann zu sehen bekam, ließ mich ehrfürchtig erstaunen. Außer den vorgenannten, in verschiedenen Farbenschlägen, gab es noch Sultanhühner in Schwarz, Zwerg-Seidenhühner in Splash, Toulouser Gänse und Deutsche Pekingenten zu bestaunen.

Christoph wohnt auf dem Bauernhof der Familie. Der Kuhstall wurde zum Hühnerstall umgebaut. Dort hat er Abteile eingerichtet, jedes ungefähr 2 x 2 Meter groß und 1 Meter hoch. Für seine Rassen ideal. Dort werden erst die Zuchtstämme gehalten und dann die verschiedenen Alters- und Geschlechtsgruppen aufgezogen. Zum Zeitpunkt des Besuches waren insgesamt noch ein paar Hundert Tiere da. Auch hat er in einer Voliere einige Paare Tauben – Sächsische Brüster und Wiener Weißschilder. Aber die sind nur Spaß an der Freude.

An Farbenschlägen hat er bei den Brahma und Zwerg-Brahma Weiß-Schwarzcolumbia, Weiß-Blaucolumbia und Rebhuhnfarbig-Gebändert. Im Moment beschäftigt er sich bei den Brahma noch mit einem neuen Farbenschlag, welcher nur in Holland und Belgien anerkannt ist. Die Ergebnisse können sich schon sehen lassen. Überhaupt sind seine Brahma sehr voluminös, mit einer schönen Unterlinie und einem großen und breiten Kopf. Passend zum Gesamteindruck. Die Zwerge dagegen haben in meinen Augen noch die richtige Größe – ein Drittel der Großrasse. Das konnte man im direkten Vergleich bestens sehen.

Das Futter besteht bei Christoph aus verschiedenen Komponenten: Pellets, Getreide, Grünfutter und tierisches Eiweiß. Bei der Größe der Brahma braucht er das auch. Die Tiere werden wechselseitig in den begrünten Auslauf gelassen. Bei meinem Besuch durften gerade die Althennen den Auslauf genießen. Das Wassergeflügel ist jeden Tag im Auslauf mit Teich.

Dass so viele Tiere natürlich Arbeit machen und auch Pflege brauchen, versteht sich von selbst. Da war die Frage nach dem Beruf nicht weit weg. Christoph ist im Außendienst tätig und kann sich die Zeit einigermaßen selbstständig einteilen. Aber das ist nicht alles. Nebenbei ist er noch offizieller Hühnerverkäufer mit Gewerbeanmeldung. Hierzu holt er verschiedene Rassen und verkauft diese an Halter und Familien, die ein paar bunte Hühner oder auch Rassegeflügel zum Anschauen haben möchten. Das geht dann von Anfang März bis Ende Oktober, wöchentlich.

Aber auch in der Organisation ist er tätig. Er ist Präsident der Kleintierzüchter von Vorarlberg – gleichzusetzen mit einem Landesverbandsvorsitzenden bei uns. Nur mit dem Unterschied, dass sie weniger Mitglieder haben. Aber das muss nicht heißen, dass sie minder aktiv sind. Auch sie halten ihre regelmäßigen Versammlungen und Ausstellungen ab. Die Probleme mit den Behörden kennen die Zuchtfreunde aus Österreich ebenso.

Eines möchte ich noch erwähnen: sein Zimmer mit den errungenen Preisen, bei Christoph das „V 97 Stüble“ genannt. Dieses befindet sich im Außenbereich, gut geschützt vor Wind und Wetter. Da hängt schon so einiges an Wimpeln, Bändern, Plaketten, Urkunden, Pokalen und sonstigen Dingen, die man so als Spitzenzüchter erringt. Er ist Mitglied im deutschen RGZEV Gäuboden. Im deutschen SV ist er kein Mitglied, dafür aber in Holland. Hier stellt er auch einmal im Jahr auf der Spezialschau aus – und wie man sehen kann, mit vorzüglichem Erfolg.

Die Zeit verging viel zu schnell, aber ich konnte viel sehen und erfahren. Dabei habe ich einen Züchter kennengelernt, der für seine Rasse und das Hobby lebt. Jung, dynamisch, erfolgreich. Genau das, was unser Hobby braucht. Egal in welchem Land.

Ich möchte mich recht herzlich bei Christoph für die Gastfreundschaft bedanken. Wir bleiben in Kontakt, über Ländergrenzen hinweg, und tauschen unsere Erfahrungen weiter aus. Vielen Dank, lieber Christoph – wir sehen uns auf alle Fälle wieder.

Marcus Beck 
Vorsitzender
des Landesverbandes der Rassegeflügelzüchter Thüringen e.V.

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