Die Geschichte

der Brüstertauben ist schon recht alt. Bereits seit ca. 1800 sind sie bekannt. Wie bei vielen Rassen sind genaue und detaillierte Angaben nicht bzw. lückenhaft vorhanden. Früher wurden sie der Gruppe der Latz- und Mohrenkopftauben zugeordnet. Heute gibt es 3 Grundarten. Die belatschte, glattköpfige Form ( sächsische), die rundkappige, großlatzige Art ( süddeutsche – heutige Latztaube) und die spitzkappige, glattfüßige Variante – der Thüringer  Brüster.

 

Rassemerkmale und Zuchtstand

Er soll, wie die meisten Farbentauben, eine kräftige Feldtaubengestalt besitzen. Wirkt allerdings etwas eleganter und schnittiger als die sächsische Schwesterrasse. Der Flügelbug soll trotzdem gut eingebaut sein und die Körperhaltung ist nahezu fast waagerecht. Die Kopfform mit ihrer betonten Stirnpartie, ziert eine gut ausgeprägte, hoch angesetzte Spitzkappe. Sie wird gut geschlossen und am Ende soll sie die höchste Stelle am Kopf bilden.

Der Übergang in den Nacken ist kammförmig geschlossen, d.h. ohne Kimmenausprägung

(wie  z.B. beim Thür. Kröpfer gefordert).  Bei diesem Merkmal sind in den letzten Jahren große Fortschritte erreicht worden. Der Hals soll sich zum Kopf hin deutlich verjüngen und die Kehlung wird gut ausgerundet gefordert.

Die Augenfarbe ist bei allen Farbenschlägen dunkel. Hin- und wieder treten fehlerhafte helle Stellen, sogenannte Flämmchen, auf. Mit zunehmendem Alter der Tauben vergrößern sich diese hellen Stellen und können zu regelrecht gebrochenen Augen führen. Der die Zeichnung beeinflussende Pencillid Faktor hat auch auf die genannten Augenfehler Auswirkung. Solche Tiere sollten nur in Ausnahmefällen in der Zucht Verwendung  finden.

Der Augenrand wird unauffällig und dem Farbenschlag angepasst gefordert, d.h. dunkel bei allen Farbenschlägen außer gelb. Bei diesen ist er hell. Durch entsprechende Fütterung kann dieser auch einmal rötlich angelaufen sein. Das ist aber nicht gewollt und sollte vermieden werden. Die Schnabelfarbe ist analog der Randfarbe. Bei den Farbenschlägen Schwarz und Blau gibt es damit überhaupt keine Probleme. Bei Braun (rot) gehören Tiere mit auftretenden hellen Schnäbeln und im gelben Farbenschlag mit dunkler Schnabelfärbung nicht in den Ausstellungskäfig. Sie treten auf, weil diese Farben oft untereinander gekreuzt werden. In Gelb kann man dadurch Farbverbesserungen erreichen. Die Nachzucht spaltet in den Farben auf. Es fallen entweder Braune (rote) oder Gelbe. Bezüglich der Schnabelfarbe ist das leider nicht der Fall, sie vermischt sich.

Die Farbe der Krallen ist ohne Bedeutung.

 

Farbenschläge

Anerkannt sind die Farbenschläge braun (rot), gelb, schwarz, blau und blaufahl. Bei den Braunen handelt es sich genetisch um dominant rot und er wurde deshalb mittlerweile in Rot (analog der Mondtauben) umbenannt. 

Das besondere an den Brüstertauben  ist ihre zweigeteilte Zeichnung. Farbig sind der Kopf, Hals und Brust - also der vordere Teil der Taube. Das restliche Gefieder – der hintere Teil - ist weiß. Das Untergefieder im farbigen Bereich ist übrigens hell. 

Bezüglich der Zeichnung ist auf eine klare Abgrenzung im Brustbereich, Flügelbug und im unteren Nackenabschluß zu achten. Der Brustschnitt soll gerade verlaufen und nicht so hoch angesetzt sein. Beim Letztgenannten werden in der Regel weiße Federn im Hinterhals-Gefieder sichtbar. Der gerade verlaufende Brustschnittverlauf tritt selten exakt auf und wird durch mehr oder weniger fachgerechtes putzen erreicht. Es treten öfters versetzte oder schiefe Brustschnitt- Zeichnung auf, welche auch durch noch so intensives putzen nicht begradigt werden können ohne dass eine Federlücke entsteht. Diese Tiere sollten ebenfalls nicht in der Zucht Verwendung finden. Dieser Fehler ist bereits im Jungtieralter zu erkennen und rechtzeitig ausgemerzt werden. Gleiches tritt auf zu viele weiße Federn im Nackenbereich zu, auf tiefe, offene oder schiefe Spitzkappen oder  breite, nicht genügend abgedeckte Augenränder. 

Im Farbenschlag braun (rot) wird heute eine intensive und von Kopf bis Brust gleichmäßige, lackreiche Farbe verlangt. Das ist züchterisch nicht einfach zu erreichen. In der Vergangenheit wurden oft Tauben mit unterschiedlichen Farbtönen in Kopf, Hals und Brust gezeigt. Die laut Standard zulässige Säumung in den Schwingen sind dazu notwendige Farbstoff – Reserven und sind vom PR nicht zu ahnden.

Der gelbe Farbenschlag ist züchterisch einfacher. Auch hier wird auf eine gleichmäßige Farbe Wert gelegt. Tauben mit einer absetzenden Brustfarbe oder einer oft auftretende, melierte  Kopffarbe, d.h. jedes Federende hat einen fehlerhaften hellen Endsaum,  sind ebenfalls auszumerzen. Heiße Sommer mit viel Sonnenstrahlung wie in diesem Jahr, führt genauso zu einer Ausbleichung der gelben Farbe.

Schwarze Thüringer Brüster haben in den letzten 25 Jahren den größten züchterischen Fortschritt erzielt. Die ersten schwarzen Tiere wurden in den 70 iger Jahren des letzten Jahrhunderts u.a. wieder in Leipzig gezeigt. Heute werden bis in die Schwingenenden rein weiße Tauben gezeigt mit intensiver Schwarzfärbung. Es sind bereits Tiere mit intensivem Grünlack vorhanden, wobei sich diese Forderung noch züchterisch festigen muss. Einige Tauben zeigen allerdings noch Schwingensäumung. Das ist laut Standard auch zulässig und darf vom PR nicht gestraft werden.

Im blauen Farbenschlag wurde ebenfalls ein hoher Zuchtstand erreicht. Die Farbe darf nicht zu dunkel werden. Ein helles Taubenblau wird angestrebt. Die in der Vergangenheit oft vorkommende und verpönte Kupferbrust ist nahezu verschwunden. Die durchgehende blaue Brustfarbe bleibt allerdings ein Zuchtschwerpunkt. Oft ist diese leicht braun (rot), manchmal  auch weiß durchsetzt, was mit Punktabzügen in der Bewertung seinen Niederschlag findet.

Dem jüngsten Farbenschlag Blaufahl fehlen noch Mitstreiter. Die Neuanerkennung erfolgte im  Jahr 2000. Die Zuchtbasis ist noch sehr klein. Trotzdem sind Zuchtfortschritte unverkennbar. Analog den blauen Brüstern wird auch hier ein helles Blaufahl angestrebt. Oft ist es noch zu dunkel. An einer reinen Brustfarbe muss auch hier züchterisch noch gearbeitet werden. Im Gegensatz zu Blau treten in der verdünnten Form keine braun (rot) durchsetzte Brustfedern auf, sondern gelbliche Farbeinlagerungen.

Eine weitere Besonderheit bei den Brüstertauben ist das mehr oder weniger gesäumte Zeichnungsbild auf den sonst weißen Körperteilen im Jungtiergefieder. Verantwortlich dafür ist der bereits erwähnte Pencillid Faktor. Ihn finden wir auch bei anderen Rassen wie z.B. bei den Briver Schwarzköpfen, deren auch nach erfolgter Mauser verbleibende Säumung Bestandteil der geforderten Zeichnung ist. Bei den Brüstern färbt sich das Federkleid nach der ersten Jungtiermauser um und wird auf den geforderten Körperstellen weiß. Das geschieht aber nicht bei allen Tieren, Ein Teil behalten schwache Säumung zurück und sollten nach dem derzeitigen hohen Zuchtstand nicht ausgestellt werden. Diese weisen zumeist eine besonders intensive Farbe aus.

Verbreitung

Der Thüringer Brüster gehörte früher zu den seltenen Rassen. In den letzten 3 Jahrzehnten hat deren Verbreitung kontinuierlich zugenommen. Alle Farbenschläge, außer Blaufahl, werden heute auf den Sonderschauen des SV in mehr oder weniger gleichen Meldezahlen gezeigt. Meldungen von über 100 Tieren wurden schon mehrfach auf den HSS erreicht wie nachfolgende Übersicht verdeutlicht:

 

 Jahr  Anzahl der Tiere
 1990 93
 1995 100
2000 156
2005 115
2010 106
2015 103
2017 137

 

Die Thüringer Brüster sind wie alle Thüringer Farbentauben sehr zuchtfreudig, fürsorgliche Eltern und voller Temperament. Die in alter Literatur oft beschriebene scheue Wesensart ist nicht zutreffend (das trifft schon eher auf die Thür. Mönche zu). Im Gegenteil, sie können sehr zutraulich werden und verteidigen vehement ihr Brutrevier gegenüber ihrem Pfleger.

Trotz der relativ guten Züchterbasis würden sich die Thüringer Brüster über jeden neuen Interessenten freuen.

Der Thüringer Brüster hat wie alle glattfüßigen Thüringer Farbentauben die Ringgröße 8.

 

Jürgen Weichold

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