Was ist die richtige Einstreu in unseren Ställen?

 

Saubere Ställe bedeuten gutes Klima und gesunde Tiere.

In vielen Fällen wird der richtigen Einstreu in unseren Geflügelställen keine große Bedeutung geschenkt. Es wird eingestreut, was gerade zu Hand ist und das mal mehr oder weniger. Dass die Einstreu aber auch einen großen Einfluss auf das Wohlbefinden und das Wachstum unserer Tiere hat, möchte ich in den folgenden Zeilen näherbringen.

Wir alle bauen unsere Geflügelställe so, dass diese praktisch und funktional sind. Diese sind so eingerichtet, dass wir die Säuberung mit wenigen Handgriffen und in kurzer Zeit ausführen können. Das Gleiche sollte auch für die Einstreu zutreffen. Doch welche Einstreu ist die richtige, das habe ich mich oft gefragt in Hinblick auf die Verweildauer im Stall. Ein gutes Stallklima, aber auch die Kosten und die Entsorgung sollten nicht unberücksichtigt bleiben.Der wichtigste Punkt überhaupt ist für viele von uns gerade noch berufstätigen Züchtern und Halternderzeitliche Aspekt. Kann ich jeden Tag den Stall vom Kot der Tiere befreien oder schaffe ich das nur alle paar Tage oder gar nur zwei bis dreimal im Monat?  Da stellt sich auch die Frage: „Wie oft muss ich den Stall ausmisten bzw. reinigen?“Bei allen Überlegungen, welche Einstreu für die eigenen Tiere zum Einsatz kommen sollte,müssen vorher folgende Punkte geklärt werden: Wie groß sind Stallfläche und das Raumvolumen?Wichtig ist auchdie Anzahl der Tiere im Stall, weiterhin aber auch, ob die Tiere nur die Nacht im Stall verbringen oder ob diese wie oft in den Wintermonaten ganze Tage oder gar wochenweise im Stall untergebracht sind,ohne ins Freie oder dem davorliegenden Kaltscharrraum oder in die Voliere zu gelangen. All das sind wichtige Punkte, die entscheiden, welche Materialien zum Einsatz kommen.

 

Hobelspäne, Hanf, Dinkel und Co

Wo früher noch Sägemehl vom Schreiner im Dorf oder Stroh- bzw.Heuspelzen, Laub und Sand in die Ställe eingestreut wurde, bietet heute der Fachhandel eine Vielzahl von verschiedenen Einstreumaterialien, fertig abgepackt in 20-25 kg-Säcken, an. Ein großer Vorteil der handelsüblichen Erzeugnisse ist, dass diese Materialien alle entstaubt und gereinigtgeliefert werden. Auf Platz 1 der beliebtesten Einstreumaterialien liegen laut Verkaufszahlen des Handels die Hobelspäne. Diese werden in verschiedener Form wie grob, fein oder gar als Sägespäne angeboten. Preislich bewegen sie sich in Mittelfeld je nach Sorte und Hersteller.Hobelspäne sind in fast allen Märkten fest im Sortiment zu finden. Zum Einsatz kommen diese gerne in Stallungen von Hühnern, Zwerghühnern, Puten und Wassergeflügel. Die Vorteile überwiegen hier. So binden diese gut die Feuchtigkeit im Stall und sorgen dafür, dass der entweichende Ammoniak aus dem Kot gebunden wird. Sie bringen auch ein gutes Volumen mit sich und sind sehr leicht - ideal als ganzjährige Einstreu in Ställen mit kleinen Beständen und als Einstreu in den Sommermonaten in unseren Küken- und Jungtierställen.Was viele Vorteile hat, hat leider auch einige Nachteile. So muss diese Einstreu,sobald sie feucht geworden ist, komplett aus dem Stall gebracht werden. Gerade in den Wintermonaten habe ich dies erlebt, wenn das Wetter nach langen Frostperioden in mildere Temperaturen umschlägt und dazu noch eine Regenphase eintritt, in der die Luftfeuchtigkeit auch von außen schon sehr hoch ist. Zu dieser Zeit stoßen die Hobelspäne klar an ihre Grenzen. Neben dem, dass sie sich feucht anfüllt, breitet sich auch ein Ammoniakgeruch im Stall aus. Wenn diese Situation eintritt, muss die feucht gewordene Einstreu komplett raus, um wieder ein trockenes Klima erreichen zu können. Weiterhin muss auch erwähnt werden, dass beim Misten der Stallungen auf Grund des Volumens die Entsorgung größere Behältnisse braucht. Wenn man aber bei der Entsorgung auf Kompostieranlagen angewiesen ist, bekommt man oft Probleme, da hier Mist mit Hobelspänen nicht angenommen wird, weil Hobelspäne eine längere Verrottungsdauer haben als normale Gartenabfälle. Hier kann das seit gut 10 Jahren in den Markt gekommene Hanfstreu schon viel bessere Eigenschaften vorweisen. Gerade in Hinblick auf die Bindung von Feuchtigkeit im Stallklima hat Hanf wohl die höchsten Bindeeigenschaften.Gerade in den Wintermonaten habe ich mit Hanfstreu beste Erfahrungen gemacht, um ein gutes und vor allem trockenes Stallklima zu erhalten, was auch am frischen Eigengeruch dieses Materials liegt. Die seit einigen Jahren am Markt angebotene Dinkelstreu habe ich leider selber noch nicht getestet. Aber mir bekannte Züchter konnten die gleichen Eigenschaften wie des Hanfes bescheinigen. Ich möchte hier auch nicht unerwähnt lassen, dass bei diesen drei genannten Einstreumaterialien ein wichtiger Punkt eingehalten werden muss. Diese Materialien müssen absolut trocken gelagert werden. Durch Eintritt von Feuchtigkeit im verpackten Material können sich Pilzsporen bilden, die man mit dem bloßen Auge nicht erkennt. Ein Geruchstest beimÖffnen der Verpackung kann hier helfen. Gerade unsere Küken und Jungtiere reagieren auf solche Erreger sehr sensibel. Was Krankheitenbei Organen im Luftbereich verursacht, kann bis zum Tod der Jungtiere führen.

 

Kurzes Stroh oder doch lieber Sand

Am wenigsten mit Pilzsporen belastet sind Sand und kurzes Stroh. Bei Sand im Stall ist klar, dass dieser wie auch der Kottisch und der Laufstall täglich gesäubert werden müssen. Sand kann fast keine Feuchtigkeit an sich binden, das sieht man gleich, wenn mal die Tränke im Stall von den Tieren umgestoßen wird. Dann steht dieser sozusagen gleich „unter Wasser“. Sand hat neben einem geringen Volumen auch ein hohes Gewicht. Die Entsorgung bedarf also einer großen Kraftanstrengung oder man braucht dazu ein Transportgefährt wie eine Schubkarre oder einen bereiften Wagen. Beim Einsatz von Stroh rate ich gleich zu kurzer Strohhäcksel, fertig eingepackt im Sack. Warum kein lang fasriges Stroh auf dem Ballen? Da sind zwei Punkte wichtig. Der erste ist, dass langes Stroh im Einsatz im Stall schnell zu Schmierflächen führt und dass sich in Strohballen gerne Mäuse aufhalten, die das darin befindliche Getreide fressen und dieses dann mit ihrem Kot verunreinigen und somit Überträger von Krankheiten sind. Das gehäckselte Stroh wird in Ballenform angeboten. Bis jetzt ist nur wenig im Handel verbreitet und wird meistens nur in Onlineshops angeboten. Ideal ist es als Tiefstreu in den Wintermonaten im Stall. Hier sorgt es für viel Bewegung und keine lange Weile im Stall, da die Tiere gerne in ihm scharren. Dass sich in den Hohlkammern des Strohs gerne Milben aufhalten und somit in den Stall einschleppt werden können, ist mir von einigen Züchtern schon berichtet worden. Ich selbst kann das aber beim Einsatz in meinen Ställen nicht bestätigen.

 

Fazit und logischer Schluss:

Wenn ich den Ratschlägen meines Tierarztes folgen möchte, so rät dieser,unserGeflügel ohne Einstreu oder nur mit einer leichten Sandeinstreu zu halten. Das erfordert aber ein tägliches Säubern der Stallungen. Dies jedoch können nur die wenigsten von uns gewährleisten. Somit muss wohl jeder für sich die richtigen Materialien finden. Auch sollte die Einstreu an Stallgröße, Jahreszeit und Alter der Tiere angepasst werden. Meine Erfahrungen sind, dass ich meine Küken in den ersten 21 Tagen nur auf wechselnder Wellpappe mit Sand und Walderde halte, um die Küken so wenig wie möglich mit schädlichen Stoffen zu belasten, da diese ja zu dieser Zeit noch auf dem Boden sitzen und somit bei belasteter Einstreu leicht erkranken können. Mit Einzug in den Jungtierstall und Freigang in den Auslauf stelle ich auf Hobelspäne und Strohhäckselgemisch um. Mit Aussetzen der Tiere auf die Sitzstangen wird der Kottisch täglich oder alle zwei Tage gereinigt. Die Einstreu im Stall wird nur stellenweise je Verschmutzungsgrad gewechselt und bleibt über die gesamten Sommermonate im Stall. Mit Einsetzen der Wintermonate und dem längeren Verbleib der Tiere im Stall stelle ich auf ein Gemisch aus Hanfstreu und Hobelspäne oder Strohhäcksel um. Die Tiefstreu bleibt solange wie möglich im Stall. Wichtig ist, die Kottische täglich zu reinigen. Ein Bestreuen dieser mit Hanf sorgt für weiteres, schnelles Binden der Feuchtigkeit aus dem Kot und somit für ein trockenes und gutes Klima im Stall. Die Tiere danken es mit Vitalität und enormer Legeleistung und vielen gesunden Küken.

 

Martin Backert

 

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