Kleintierställe von der „Stange“ oder selbst gebaut

 

Die Hobby-Haltung von Geflügel liegt weiter im Trend. Gerade im ländlichen Raum sehnen sich viele junge Familien nach „Eiern aus dem eigenen Garten“ und Geflügelfleisch ganz ohne Zusatzstoffe selbst zu produzieren. Wenn alle baurechtlichen Angelegenheiten und auch die Nachbarn ihr ok gegeben haben, rückt für viele zukünftige Tierhalter die Frage heran, den Stall selbst bauen oder einen bauen lassen. Wo vor Jahren die Stallplanung noch eine reine „Männersache“ war, entscheiden heute meist die Frauen zu Hause was für Hühner gehalten werden und wie die passende Unterkunft der zukünftigen neuen „Familienmitglieder“ auszusehen hat. Der Preis spielt dabei meist nicht die wichtigste Rolle. So liegen nach meinen Recherchen die Kosten zwischen 500,- bis 2000,- Euro die hier in einen Geflügelstall investiert werden. Entschieden wird schnell und aus dem Bauch heraus. Es zählt dabei ob der Stall hübsch aussieht und am besten sofort verfügbar ist. Denn der Stall soll so schnell errichtet werden wie manchmal auch die Entscheidung der Anschaffung getroffen wurde. Die Schar der Anbieter von Fertighühnerställen oder Gartenhäuser im Netz oder im Baumarkt ist groß. Auch gibt es unzählige Bauanleitungen im Netz oder gar als Selbstbau-Video bei YouTube. Doch bei der Anschaffung eines Geflügelstalles müssen viele Punkte beachtet werden, will man seinen zukünftigen Sprösslingen zu jeder Jahreszeit und Witterung ein ideales „Wohlfühl-Ambiente“ bieten.

 

Einfach und Zweckmäßig

So einfach wie möglich, so zweckmäßig wie nötig sollte dabei die Devise lauten. Meist siegt das rechteckige Model in dem man problemlos stehen kann. Die Reinigung der Stallungen steht je nach Besatz täglich oder wöchentlich an. Ein Stall ohne viele Ecken und Winkel lässt sich schnell in wenige Minuten und mit nur ein paar Handgriffen einfach reinigen. Man sollte hier beachten, je mehr Ecken und Winkel umso länger und problematischer ist das Säubern von Kot, Federn und der Einstreu. Bewährt haben sich glatte und fugenfreie Oberflächen. Beim Selbstbau oder Kauf sollten zuvor mehrere Punkte gut durchdacht sein. Hier spielen die Rasse und die Anzahl der Tiere eine große Rolle. Aber auch die Frage, wie viele Jahre dem neuen Hobby nachgegangen werden soll. Das sind eigentlich die wichtigsten Fragen überhaupt die man sich vor der Anschaffung der Tiere beantworten muss. Denn so ein Geflügelstall ist eine Investition, für mache fast ein ganzes Leben lang. Für viele der Hobbyhalter mit dem Wunsch „Fünf Hühner fürs eigene Frühstücksei“ reicht ein Stall mit 1,5 -2 qm Grundfläche. Man rechne hier je qm Grundfläche 3-5 Tiere bei Hühnern und 6-10 Tiere bei Zwerghühnern. Der Handel und darauf spezialisierte Schreinerwerkstätten bieten hier fertige in Serie gebaute Hühnerstallungen mit außenliegenden Legenester, kleiner Voliere und Sitzstange an. Die Raumhöhe ist mit 1,20-1,5 Meter gewählt, was daran liegt, dass diese mit der genormten Europaletten transportiert werden. Was Nachteile beim Reinigen und dem Fangen der Tiere mit sich bringt. Hier muss man sozusagen von außen in den Stall greifen was für den Besitzer der Tiere etwas umständlich ist. Weiterhin ist darauf zu achten, dass solche kleinen Ställe am besten unter einem Baum oder an einem schattigen Platz aufgestellt werden. Da diese sich bei direkter Sonneneinstrahlung sehr schnell aufheizen können was zum Hitzetod der Tieren führen kann, wenn diese bei hohen Temperaturen im Stall verweilen müssen. Deshalb ist es ratsam Ställe mit Fenster oder Lüftungsschlitzen zu kaufen bzw. diese nachträglich einzubauen, damit sich hier die Wärme im Sommer nicht stauen kann. Werden die Ställe nicht mit Füßen geliefert muss zuvor ein Fundament aus Beton gegossen werden. Das geschieht als Bodenplatte oder punktuell je Standfuß.

 

Immer frische Luft und sicher vor Nässe und Raubzeug

Neben frischer Luft sollte der Stall auch trocken und frei von Zugluft sein. Ein wichtiger Punkt ist beim Aufstellen des Stalles zu beachten. Die Fenster bringen in den Stall Licht und für die Tiere wichtige Sonnenstrahlen, was sie für die Bildung der von körpereigenen Vitaminen wie das Vitamin A und vor allem das wichtige Vitamin D brauchen. Die früher oft in alten Fachbüchern geforderte Ausrichtung der Fensterfronten in Richtung Süden, teile ich nicht mehr. Auf Grund des in den letzten Jahren doch immer wärmer werden Sommer erhitzen sich die Ställe zu stark. Deshalb tendiere ich jetzt die Fensterfront in Richtung Osten oder Südosten auszurichten. Das bringt das morgendliche Licht früh in den Stall und sorgt für ein kühleres Klima gerade im Sommer. Ein nicht zu vernachlässigender Punkt ist, dass die Ställe sicher vor Raubzeug sein müssen. Neben Fuchs, Marder haben sich in den letzten Jahren auch Waschbären und Marderhunde zu großen Problemen für uns Geflügelliebhaber entwickelt. Diesen Tieren darf  keinerlei Möglichkeit gegeben werden, nachts oder bei Tag in den Stall einzudringen bzw. das Gehege zum untergraben. Bei Rassegeflügelzüchtern die ihr Hobby mit großer Begeisterung nachgehen möchten muss aber generell über größere Geflügelställe nachgedacht werden.  Hier zählen neben der Größe auch die Ausstattung und die Zweckmäßigkeit. Auch dürfen wir ganz klar nicht die Geräuschkulisse unserer heranwachsenden Junghähne schönreden. Wenn in den Sommermonaten 60-80 Junghähne das Krähen beginnen braucht man schon sehr tolerante Nachbarn oder gut isolierte Hühnerställe.

 

Individuell und große Ställe für den Züchter

Der Rassegeflügelzüchter sollte bei der Planung seiner neuen Ställe folgende Punkte unbedingt beachten. Wer eine ernsthafte Zucht von Tieren betreibt denkt an erster Stelle langfristig mit einer Belegungsdauer über 20 bis fast 60 Jahren. Die Tieranzahl ist je nach Rasse(n) viel höher als bei den Hobbyhaltern und liegt durchschnittlich im Sommer zwischen 50-200 Jungtieren und in der Zuchtzeit zur Bruteigewinnung bei 20-30 Tieren. Will man diesen Schritt gehen muss wirklich stark überlegt werden ob man diesen Stall in einer massiven Bauweise errichtet oder ob man auf Fertighühnerställe aus 24 oder 26 Schalung setzt. Eine massive Bauweise mit Fundament, Bodenplatte und aus Ziegelstein gemauert ist in der Anschaffung wesentlich teurer als ein Holzstall aus einem Kantholzgerüst, aber von seiner Einsatzdauer langlebiger und mit weniger Reparatur und Unterhaltkosten verbunden. Wenn wir noch auf den Bezug der nicht so toleranten Nachbarn kommen wollen, ist eine massive Bauweise mit Dämmung und schallgedämmten Fenstern und Rollos keinesfalls von Nachteil, um Nachbarschaftsstreit vorneweg schon aus dem Weg zu gehen. Natürlich müssen dazu alle baurechtlichen Belange vorab geklärt sein und eine Baugenehmigung vorliegen. Trotz hoher Baukosten liegen die Vorteile klar auf der Hand. Diese Ställe bieten gerade im Winter ein wärmeres Stallklima. Auch Große Ställe bieten auf Grund auch mehr Platz für zahlreiche Tiere und einen schlechteren Zugang für Schadnager und Ektoparasiten. Gerade in Zeiten von Geflügelgrippe und Aufstallung können die Tiere problemlos über einen längeren Zeitraum im Stall gehalten werden. Wer jedoch die großen Kraftanstrengungen und Kosten eines massiven Hühnerstalles scheut kann auf die seit einigen Jahren stark aufkommenden Fertigteilhäuser oder Fertighühnerställe in Holzbauweise zurückgreifen. Holzbaufirmen und Schreiner haben diesen Markt erkannt und bieten speziell für den Züchter und anspruchsvollen Hobbyhalter sehr gute Lösungen an. Meist können diese Ställe auch individuell auf die Wünsche der Auftraggeber angepasst werden und das zu einen Preis eines Fertigteil-Gartenhauses aus dem Baumarkt. Die Zeitersparnis ist enorm. So steht in ein oder zwei Tagen das fertige Geflügelhaus. Die fertigen Ställe werden auf einen Punktfundament oder einer Bodenplatte gestellt und sind aus 24-26 Kiefernschalung mit und ohne Dämmung bestellbar. Neuerdings werden auch Ställe aus blech- oder kunststoffbeschichtete Marialien angeboten. Ob diese Materialien für unsere Tiere sinnvoll sind, muss jeder für sich entscheiden.  Aus meiner Erfahrung heraus würde ich immer Materialien nutzen die Feuchtigkeit aufnehmen und im Sommer und Winter eine konstantere Temperatur im Inneren der Ställe halten. Was für das Wohlbefinden der Tiere und von extremer Wichtigkeit ist. Bei der Auswahl der Anbieter bzw. Firmen setzt man auf erfolgreiche und erfahrene Hersteller um keinen „Schiffbruch“ im Nachgang zu erleiden. Sehr gerne nimmt an dann zu Züchtern Kontakt auf, die sich solche Ställe bauen haben lassen. Der Rat der Nutzer bringt meist auch schon wieder Verbesserungen mit sich, die sie als Bauherr beim eigenen Neubau gerne berücksichtigen können.

 

Fazit

Jeder Einzelne muss für sich im Vorfeld des Stallbaues oder deren Neuanschaffung im Klaren sein, was für einen Zweck soll die Stallung erfüllen. Eine Checkliste anzulegen in dem man Vor-Nachteile der einzelnen Bauweisen gegenüberstellt ist von großem Vorteil. Aber auch der finanzielle Spielraum muss im Vorfeld klar absteckt werden, denn zum Schluss gibt es für Tier und Züchter nicht schöneres, wenn alle Beteiligten sich nach Goethes Devise freuen können „Hier bin ich Mensch hier darf ich sein!“

 

Martin Backert

 

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