Hühner in der Mauser

 

Bestimmt durch den Lauf der Sonne dreht sich im Kreis und im Rhythmus der Sonnenuhr auch unser Geflügeljahr. Der Stand der wärme- und lichtspendenden Sonne lenkt auch das Verhalten unserer gefiederten Lieblinge.

Eine Zeit, die stets die volle Aufmerksamkeit des Züchters erfordert, ist die des Federwechsels im Herbst. Im Laufe des Frühjahrs und des Sommers hat das Gefieder unseres Geflügels durch die Einwirkungen von Sonne, Regen und Staub so gelitten, dass es unansehnlich geworden ist. Der herrliche Glanz und der Lack, den unsere Tiere bei den Ausstellungen gezeigt haben, sind gänzlich gewichen. Die Zeit des Federwechsels ist gekommen und der Züchter ist damit vor eine neue Aufgabe gestellt. Die Mauser ist das gleiche wie der Haarwechsel bei den Säugetieren. Genau wie jedes Säugetier sein Fell wechselt, so müssen auch unsere gefiederten Lieblinge auf ganz natürlichem Wege sich ihres alte, verbrauchten Federkleides entledigen.

 

Anstrengender Federwechsel

 

Wenn in dieser Zeit die Tiere auch vielfach sehr struppig und unschön aussehen und oft traurig herumhocken, so ist das durchaus kein krankhafter Zustand, sondern ein ganz natürlicher und notwendiger Vorgang, bei dem allerdings auch schon mal ein Tier eingeht.
Die Mauser bedeutet für die Hühner nämlich eine große Anstrengung. Sie sind während dieser Zeit weniger widerstandsfähig, empfindlicher und für Krankheiten empfänglicher.

 

Unterschiedlicher Verlauf

 

Der Verlauf der Mauser ist bei allen Hennen individuell sehr verschieden, ebenso der Mauserbeginn. Es gibt auch einzelne Hennen, die sogar während der Mauser weiterlegen, was jedoch keinesfalls wünschenswert ist.
Immer wird der Züchter feststellen, dass durch durchlegende Hennen als Zuchttiere keine zufrieden stellenden Brutergebnisse bringen. Die Henne braucht ihre Winterruhe und muss für Reservestoffe sorgen, damit im Brutei alle Wirkstoffe in ausreichender Menge enthalten sind. Wenn Tiere trotz der eingetretenen Mauser noch legen, so bedeutet dies eine doppelte Beanspruchung. Die Erneuerung des gesamten Federkleides beansprucht sehr viele Nährstoffe. Dass die Hennen in dieser Zeit recht empfindlich sind, kann man daraus sehen, dass Kamm und Kehllappen sehr zusammenschrumpfen und blass und welk werden.

Futter uns Mauserzeit

 

Die Lebhaftigkeit der Tiere lässt stark nach, die Hähne krähen seltener und zeigen kaum Tretlust. Da aus dem Körper die Nährstoffe zum Aufbau des neuen Federkleides kommen müssen, wäre es ganz verfehlt, die mausernden Hühner, weil sie nicht legen, schlechter zu füttern. Im Gegenteil: ein hoher Mineral-, Kalk-, Vitamin- und vielseitig hochwertiger, eiweißhaltiger Futterbedarf liegt auf der Hand. Bekämen kein hochwertiges Futter, würden sie anfällig für Erkrankungen, da ja wesentliche Energie für den Federaufbau benötigt wird. Sie bräuchten sonst sehr lange, bis sie ihre volle Kraft wieder erlangt hätten und würden so erst im zeitigen Frühjahr mit dem Legen beginnen, was den Brutbeginn, insbesondere bei schweren Rassen zu sehr hinauszögerte.


Um das Geflügel gesund durch die Mauser zu bringen, muss man natürlich neben dem nährstoffreichen Futter für zugfreie Stallungen mit möglichst genügend großem Scharraum sorgen. Reichlich Grünzeug, stete Abwechslung im Futter mit einigen gereichten Leckerbissen und viel Bewegung der Tiere sind gerade in dieser Zeit sehr vorteilhaft.

 

Staubbad darf nicht fehlen

 

Besonders in der Mauserzeit ist auch ein Staubbad von den Tieren sehr begehrt. Beim Zusehen eines sandbadenden Huhnes gewinnt man den Eindruck, dass das Bad für unsere Hühner eine Wohltat und Lust ist. Die Vorliebe zum Baden liegt unseren gefiederten Lieblingen im Blut. Im Sommer bietet das erdfeuchte Sandbad den Tieren beim „Buddeln“ eine wohltuende Erfrischung und während der Mauser- und Schlechtwetterzeit wollen sich die Hühner mit dem Bad auf natürliche Weise von den lästigen Hautparasiten befreien.


Eine gute Stalleinstreu, die stets trocken und warm sein muss, sollte selbstverständlich sein. Um den Tieren noch durch Bewegung Eigenwärme zu verschaffen streuen wir in diese die tägliche Körnerration.

 

Die Halsmauser

 

Früh erbrütete und zu vorzeitig mit dem legen beginnende Junghennen machen mitunter im Spätherbst eine schwächere Mauser, die so genannte Halsmauser durch.
Zu unserer Großväter Zeiten kannte man noch keine „Halsmauser“, da man damals eiweißärmer fütterte. Heute hat man geradezu eine Scheu, sogar Angst vor einer Teilmauser. Durch diese Herbstmauser der Junghennen wird deren Legetätigkeit nach einer meist kleinen Anzahl von Eiern für Wochen unterbrochen und, was am schlimmsten ist, die Ausstellungskondition und damit unsere Erfolgsträume sind für diese Schausaison dahin.
Obgleich man über die Ursache dieser Halsmauser, die verschiedentlich zur Vollmauser werden kann, noch geteilter Meinung ist, so ist doch unbestritten, dass plötzlicher Futter- oder Stallwechsel, fehlendes Trinkwasser, Ausstellungsstrapazen sowie jeglicher Stress die legenden Junghennen stark beeinflussen und sehr leicht zur Halsmauser führen. Da diese ein Zeichen dafür ist, dass der frühe Beginn der Legetätigkeit aus dem noch nicht voll entwickelten Körper zuviel herausholt, muss man bei der Halsmauser vorwiegend von einer Erschöpfung sprechen. Die Natur schiebt also mit der Halsmauser einen Riegel vor, denn nimmt man eine mausernde Junghenne in die Hand, dann ist diese im Vergleich zu einer legenden Henne meist leichter.


Man darf nun nicht, wenn sich Zeichen der Überanstrengung und beginnende Halsmauser zeigen, aus Furcht die Eiweißgaben plötzlich stark reduzieren. Dieser Eiweißentzug hätte erst recht unangenehme Folgen. Nach Eintritt einer solchen Herbst- oder Teilmauser ist unbedingt die Fütterung von hochwertigem eiweiß-, vitamin- und mineralstoffreichen Futter eine Notwendigkeit, wie überhaupt gerade in diesem Entwicklungsstadium Stetigkeit und Pünktlichkeit in Pflege und Fütterung sehr wichtig sind.


Den Dank für unsere aufmerksame, liebevolle Pflege erhalten wir von unseren Tieren dann, wenn das Zuchtjahr sich schließt, also in der bereits beginnenden Ausstellungssaison.

 

Martin Backert

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