Federpicken vorher kommt es, was kann man dagegen tun?

 

Federpicken vorher kommt es, was kann man dagegen tun

Jeder Hühner- und Zwerghuhnzüchter weiß worüber ich rede, denn jeder hat genau dieses Phänomen schon mindestens einmal in seiner züchterischen Laufbahn miterlebt-Federpicken. Die Ursachen dafür sind so unterschiedlich genau auch wie der Zeitpunkt an dem dieses in einem Tierbestand beginnt. Und doch gibt es kein „allgemeines Rezept“ dafür, dass diese Untugend unsere Tiere nicht befällt. Ich möchte in diesem Artikel auch kein Rezept dafür ansprechen, dass dieses zukünftig in jedem eigenen Tierbestand nicht wieder vorkommt, weil ich glaube das es das genau nicht gibt. Viel mehr möchte ich aus meiner fast 35jährigen Zwerghuhn und Hühnerzuchterfahrung einige Tipps und vorbeugende Maßnahmen nennen die mir geholfen haben, das Federpicken in meinen Tierbeständen zu bekämpfen aber auch im Vorfeld schon zu vermeiden bzw.zu verringern. Am empfänglichsten dafür sind die Küken in einem Alter zwischen drei und vier Wochen, wo unsere Küken auf den Rücken speziell auch im Schwanzansatz ihre ersten Federn bekommen. Genau wenn in diesen Körperbereichen die Küken ihr Flaumgefieder gegen die ersten Federn tauschen und hier die mit Blut gefüllten Federkiele am Körper sichtbar werden ist besonders Obacht zu geben. Von Federpicken betroffen sind nicht alle Rassen. Nein ich möchte Sagen das dieses auch rassespezifisch veranlagt ist. Ich habe festgestellt das es besonders Rassen mit schwarzen oder dunklen Federkielen am ersten betrifft. Die Gründe warum das unsere Tiere tun sind ganz unterschiedlich und müssen je nach Situation analysiert werden. Eines kann ich mit Sicherheit sagen, Tiere die auf natürliche Weise aufgezogen werden, also Küken die durch eine Glucke ausgebrütet und später geführt werden, betrifft das nie bez. nur in den wenigsten Fällen. Da aber ein Großteil unserer Züchter diese Variante nicht tätigen muss öfters mit Federpicken in den Beständen gerechnet werden, wenn mehrere bestimmte Situationen aufeinander treffen. Langeweile, Platzmangel zu warme Stalltemperaturen aber auch Futtermangel, dass alles können Faktoren für den Beginn von Federpicken sein. Wobei ich Platzmangel und Langeweile als Auslöser am ehesten rechne. Ich möchte hier die Gründe auch nicht viel mehr ergründen, ihnen als verantwortungsvolle Züchter und Halter jedoch Maßnahmen aufzeigen um gegen diese Situation entgegenzuwirken und wieder zu beseitigen.  Wichtig bei allen unserem Handeln muss es sein, erste Anzeigen sofort zu erkennen und Gegenmaßnahmen sofort einzuleiten. Das heißt, gerade in der Zeit von um der dritten du vierten Lebenswoche, wenn unsere Küken am agilsten mit sind die wärmende Quelle auch länger verlassen und ihr Umfeld und ihre Artgenossen rundherum erkunden. In dieser Zeit muss man mindesten 2x täglich seine Tierbestände genau beobachten noch besser alle Tiere einer täglichen Handmusterung unterziehen.  Bei Beständen über 50 Stück kann das auch punktuell mit 20-30 Tieren aus dem Bestand passieren. Sieht man hier erste Anzeigen ist sofort zu handeln. Die Betroffen Tiere sind sofort aus dem Bestand zu nehmen. Denn gerade diese Tiere ermutigt andere hier und bei anderen Tieren aus Neugier zu picken. Als weitere Maßnahme ist zu klären ob die Tiere ins Freie können und dort sich anderweitig zu beschäftigen. Der Stall sollte abgedunkelt werden, denn oft ist es so, dass der frische Blutkiel durch Sonnenlicht funkelt und glänzt und die Küken regelrecht dazu ermutigt hier zu picken. Die Tierbestände sind zu reduzieren oder die Stallfläche ist zu vergrößern. Auch hat sich eine zeitgleiche Gabe von Speisesalz ins Trinkwasser (auf 5Liter H2O mache ich einen gestrichenen Teelöffel davon über 5-7 Tage). Können die Küken auf Grund der Wetterlage nicht ins Freie muss ihnen Beschäftigung angeboten werde. Wir installieren den Küken in verschieden Höhen Sitzmöglichkeiten um sich aufzusetzen und den pickenden Küken zu entziehen. Die pickenden Küken sind aus dem Bestand zu nehmen. Bei größeren Tieren kann auch eine Hahnenbrille aufgesetzt werden. Beschäftigt werden können auch die Küken mit Bündeln von Brennnesseln, Löwenzahn oder Kräuter die im Stall aufgehängt werden, woran die Tiere picken können. Man kann auch einen Strohballen in den Stall legen woran die Tiere picken, auffliegen und scharren können. Oft sehe ich bei den Züchtern Styropor-Stücken in den Ställen, woran die Küken picken und sich beschäftigen. Das hilft, ist aber halt nicht die beste Lösung, da ja das Styropor keinerlei Nährwert hat und nur den Magen füllt. Auch Walderde und Rasenstücke sorgen für Unterhaltung bei den Tieren. Sind die Fälle hart und der ganze Bestand ist betroffen, habe ich in den letzten Jahren gute Erfahrungen mit Holzteer gemacht. Dieses gibt es in der Flasche, wo man mit Pinsel die betroffenen Stellen bestreicht. Unser Fachhandel bietet seit einigen Jahren auch den Holzteer als Spray an, womit ich beste Erfahrungen gemacht habe, da es leicht auf die Tiere zu bringen ist. Der Geruch und die klebrige Konsistenz von Holzteer sorgen dafür, dass sich die Tiere meiden. Mein Tipp dazu: hier müssen auch die Tiere eingestrichen werden die noch nicht betroffen sind. Auch ist dieses nach 7 Tage zu wiederholen. Auch weitere Anti-Pick Präparate bringen hier Erfolg. Um der Sache in der Prophylaxe zu tätigen sind folgende Schritte einzuhalten.  Der Wichtigste ist, Überbesatz im Stall zu vermeiden, den Küken Beschäftigung geben, Stallungen nicht direkten Sonneneinfluss aussetzten- Räume im besprochenen Zeitraum verdunkeln und wenn möglich Küken getrennt nach Altersgruppen aufziehen. Auch halte ich von Vorteil die gezüchteten Rassen nicht zusammen aufzuziehen. Trennen sie Ihre Aufzucht nach Rassen und Farben (oder immer nur helle und dunkle Farbenschläge zusammen aufziehen), denn für Küken sind immer andersaussehende Artgenosse interessanter als Gleichgesinnte. Am besten ist es, wenn man ohne Federpicken durch das Zuchtjahr kommt, denn jede Beschädigung des Gefieders bringt auch bei unseren Tieren im Aussehen ein nicht optimales Erscheinungsbild mit sich. Denn überall dort wo nur das Federende abgebissen ist und der Federkiel nicht in der Haut verbleibt, wächst keine neue Feder nach und bringt dann bei der späteren Bewertung Punktabzüge. Genau das wollen wir nicht bei unserer züchterischen Arbeit erreichen. Somit wünsche ich ihnen eine problemlose Aufzucht und viel Spaß beim Heranwachsen ihrer neuen Zucht- und Ausstellungstiere.

 

Martin Backert

 

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