Auch unsere Ausläufe wollen gepflegt sein

 

Ach ist der Rasen schön grün, heißt es im Sketsch von Loriot. Eine immer schön aussehende Grünfläche wollen wir auch in den Ausläufen bei unserem Geflügel. Egal ob mit Gänsen, Puten, Enten, Hühnern und Zwerghühnern besetzt, dass die Grasnarbe immer grün und geschlossen bleibt ist keine leichte Sache und erfordert ganzjährig eine durchdachte Pflege, Bewässerung aber auch Düngung. Als ideale Auslauffläche für Geflügel habe ich immer eine Streuobstwiese angesehen. Wenn die Tiere dazu auch noch unbegrenzten Auslauf haben dürfen ist das wohl der Himmel auf Erden, wie es im Sprachgebrauch so immer heißt.

 

Auslaufläche mit Struktur

Wer meint das unser Geflügel einen gut gepflegten Rasen liebt der einen kurzen Sportplatzrasen ähnelt der ist auf den falschen Weg. Die Ausläufe sollten am besten dabei strukturell aufgebaut sein. Klar möchten die Tiere lieber zuerst die kurzen frischen, weichen Grashalme fressen, aber gleichzeitig bietet auch ein naturell belassenes Stück viele positive Eigenschaften die nicht unerwähnt bleiben sollen. Da ja unsere Tiere einen Teil ihr Futter gerne selbst suchen und dabei gerne tierisches Eiweiß in Form von Insekten, Würmer und kleine Kriechtiere. Diese finden sie natürlich auf einen naturbelassenen Auslauf viel mehr als nur auf einer kurzen Rasenfläche. Dazu geben weitere Obstbaumpflanzungen und kurze Buschbepflanzungen auch Schutz vor Raubzeug aus der Luft, bieten Schatten gerade in den heißen Sommermonaten und dazu bietet die meist trockene Erde um den Stamm der Sträucher ideale Bedingungen für Staubbäder. Gerade Hühner und Zwerghühner sind gegenüber Wind sehr empfindlich. Deshalb sollte der Auslauf immer Windgeschütz sein. Vielfach haben sich Windschutzhecken mit Thuja oder Hainbuchen bestens bewährt. Diese sind preisgünstig und halten viel länger wie Schilfmatten oder Ähnliches. Wenn dazu noch im Sommer und Herbst Früchte, wie Äpfel, Zwetschgen, Kirschen oder Birnen anfallen zieht dieses nicht nur weitere Insekten an, auch die Früchte werden von den Tieren gern gefressen und sorgen für Beschäftigung und Abwechslung. Gute Versteckmöglichkeiten gerade bei heranwachsenden Junghähnen sind wichtig, wenn es die ersten Rangkämpfe unter den heranwachsenden Halbstarken gibt.

 

In Trockenheit gut Wässern

Gerade in den langen Dürreperioden der letzten Jahre, hat man bemerkt wie schnell einen grünen Rasen, wenn dieser dazu noch auf leichtsandigen Boden wächst, die Puste ausgehen kann. Ist der Rasen einmal braun bzw. vertrocknet schafft man es diesen wieder grün zu bekommen, wenn man den Tieren den Zutritt über längere Wochen auf diesen verwehrt. Doch wer hat die Möglichkeit schon des unbegrenzten Auslaufes, die wenigsten. Deshalb entfielt es sich den Rasen schon bei den ersten trockenen Tagen am besten immer in den frühen Abendstunden ausgiebig zu wässern. Wichtig dabei ist, dass der Rasen richtig eingewässert wird und die Feuchtigkeit gut 2-3 cm in die Wurzeltiefe auch reicht, anstatt nur oberflächlich das Gras nur angefeuchtet ist. Die Bewässerung in den Abendstunden bzw. in der Nacht ist deshalb empfehlenswert, weil dadurch die Pflanzen mehr Zeit haben in der kühlen Nacht das Wasser durch Osmose aufzunehmen und dieses nicht gleich durch die warmen Sonnenstrahlen verdunstet. Gerade bei Hühnern ist es wichtig die Grasnarbe grün zu halten, weil diese schnell die trockenen Halme mit der Wurzel ausreisen und dadurch den kompletten Rasen im Auslauf zu Nichte machen. Ein Tipp von mir noch dazu, mähen sie den Rasen in den Sommermonaten nicht ganz so kurz, ich lasse hier immer ca. 4-5 cm Stehen, das ist bei Rasenmäher die höchste Schnittstufe und der Rasen trocknet nicht so schnell aus und wird gelb.

 

Dreimal Düngen nicht vergessen

Wer die Meinung vertritt, dass man unseren Rasen in den Ausläufen nicht düngen muss, den muss ich leider hier enttäuschen. Die übliche Meinung, dass der Rasen genügend Düngung durch den Kot der Tiere erhält liegt falsch. Auch das Grün in unseren Ausläufen muss dreimal gedüngt werden. So bekommt mein Rasen in Februar und März je nach Wetterlage eine Dünung mit ungelöschten Brandkalk. Der sorgt dafür, dass das Moos gerade an schattigen Plätzen verschwindet, der Boden dadurch etwas saurer wird und gleichzeitig den Boden gegenüber Keimen und Bakterien neutraler gestaltet. Ende März erfolgt die erste Düngung mit einem längeranhaltenden Kopfdünger, ich nehme hier meist „Blaukorn“ um den Rasen zum Start die richtige Power zu geben um kräftige Stengel zu schieben und dicht zu werden. Ende Juli bzw. Anfang August erfolgt die zweite Düngung. Meist organisch, weil zu diesem Zeitpunkt die Tiere in der Auslauffläche sind und der organische Dünger mit einem kräftigen Regenschauer schon in den Boden komplett eintritt und nicht von den Tieren gefressen werden kann. Ende September erfolgt dann dritte Düngung, dass der Rasen noch genügend Energie für die Herbstmonate hat um grün zu bleiben und auch über den Winter bei offener Fläche auch grün bleibt. Der Fachhandel bietet hier einen speziellen Herbstdünger an mit dem ich immer sehr gute Erfahrungen gemacht habe. Wichtig beim Düngen ist immer die Dosierung nach den Angaben auf der Verpackung auch einzuhalten. Denn in diesem Fall gilt nicht viel hilft viel, dass kann schnell zum umgekehrten Führen. Durch zu viel Dünger kann der Rasen auch „verbrennen“ ihm wird durch die umgekehrte Osmosewirkung dann sprichwörtlich bei starker Trockenheit das Wasser aus de Halm gezogen. Auch versteht sich von selbst das man immer nur während einer Regenphase den Dünger ausbringen sollte.

 

Überbesatz vermeiden

Ein Wechselauslauf seinen Tieren anbieten zu können ist wohl die Beste aller Auslaufformen. Diese können aber die wenigsten Züchter für sich behaupten. Deshalb sollte man einige Grundregeln bei der Besetzungsdichte der Geflügelausläufe beachten um einer nackten toten Auslauffläche entgegen zu wirken. Hier sollte die Faustformel 20qm je Huhn bei Puten 30qm und Enten und Gänse gar 200-250qm betragen. Bei Letzteren so groß, weil diese Weidetiere sind und ihr Futter in den Sommermonaten rein auf der Weide suchen. Ein Auslauf muss auch gepflegt werden, wenn dieser für Tier und Mensch das ganze Jahr über dienen soll um so mehr ist eine regelmäßige Pflege unabdingbar. So muss der Zustand täglich geprüft werden. Maulwurflöcher oder Scharrlocher der Hühner müssen eben gerecht bzw. geschlossen werden. Ist die Grasnarbe hier offen, muss nach gesät bzw. ein Stück neuer Rasen eingesetzt werden. Es empfiehlt sich hier ein Gitter darüber zu legen, dass die Tiere das neu angesäte Stück nicht wieder gleich zugrunde gerichtet wird. Regelmäßiges Wässern ist hier nicht zu vergessen. Ist das Gras zu hoch muss gemäht werden. Regelmäßig ist der Auslauf abzurechen und von Blättern und Kot zu befreien. Um den Stallluken selbst ist es zu empfehlen, dass der Auslauf bis zu einem Abstand von zwei Metern betoniert bzw. gepflastert wird. Hier wird sonnst der Boden durch das starke belaufen und verkoten schneller hühnermüde und dadurch zum Krankheitsherd. Es ist auch ratsam den Boden hier regelmäßig mit einem Gasbrenner abzuflammen und durch die starke Wärme die Vieren und Bakterien abzutöten. Werden die Tiere im Sommer auf den Rasen gefüttert und getränkt muss der Futterplatz ständig gewechselt, da sonst die Grasnarbe stark leidet und gerade beim Wassergeflügel schnell stark verschlammt. Natürlich müssen die Ausläufe auch eingezäunt werden hier kann zwischen den im Fachhandel angebotenen Geflecht-Draht, Mattenzaun oder Holzzaun auch selbstgebaute Alternativen zur Anwendung kommen. Ein Netz über den Ausläufen empfiehlt sich bei starken Raubvogelbesatz. Die seit kurzen angeboten Weidezäune haben sich auch bestens bewährt- kann man so die Tiere nach der Abweidung immer auf frischen Ausläufen umgesetzt werden. Am besten sind die Züchter beschert, die Ihre Jungtiere immer auf ausgeruhten Ausläufen laufen lassen können, auf dem nie ein Alttier stand. Das beugt Krankheiten vor und sorgt für eine krankheitsfreie Jungtieraufzucht. Sorge ist auch in den Wintermonaten zu waren. Gerade in der Zeit, wo die Grasnarbe auf Grund der Temperatur und der Lichtaktivität nicht wächst, ist ein Auslauf schnell ruiniert. Deshalb lasse während der Wintermonate meine Zuchttiere nur Stundenweise in den Auslauf um ein abfressen des Grases und ein ausreisen der Wurzel zu vermeiden bis die Temperaturen wieder steigen und das neue Grün wieder sprießt.

 


Martin Backert

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